BRONCHIALKARZINOM [C34.9]
Syn: Lungenkrebs
Ep.: 25 % aller Karzinome; Inzidenz: 60/100.000 Personen/Jahr; m : w = 3 : 1 (Ausnahme Adenokarzinom (d.f.) m : w = 1 : 6) Häufigste Krebstodesursache bei Männern. Bei Frauen auf Platz 3 nach Brust- und Darmkrebs.
Häufigkeitsgipfel 55. - 60. Lebensjahr, 5 % der Patienten sind < 40 J.
Ät.: 1. Karzinogene:
Zigarettenrauchinhalation ist für 85 % der Bronchialkarzinome verantwortlich (nicht aber für das Adenokarzinom). Dauer und Ausmaß des Zigarettenkonsums bestimmen das Lungenkrebsrisiko. Entscheidend für die Höhe des Krebsrisikos sind die Packungsjahre (= Zahl der täglich gerauchten Packungen x Raucherjahre) = „pack years“ (py). 40 py (d.f.) 10faches Krebsrisiko. Bis 30faches Risiko bei Raucherbeginn im Jugendalter. Kombination von Zigarettenrauchen mit Exposition gegenüber beruflichen Karzinogenen potenziert das Lungenkrebsrisiko (z.B. Rauchen potenziert das Krebsrisiko durch Asbest ganz erheblich). Passivrauchen erhöht das Risiko für Bronchialkrebs um den Faktor 1,3 - 2,0.
Berufliche Karzinogene sind für ca. 5 % der Bronchialkarzinome verantwortlich, davon fallen > 90 % d.F. zu Lasten von Asbest.
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BK Nr.
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10 Lungenkrebserzeugende Arbeitsstoffgruppen
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1103
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Chrom VI-Verbindungen: Insb. Zink-, Kalzium- und Strontiumchromat (Chromatlungenkrebs)
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1108
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Arsenverbindungen: Arsentrioxid, Arsenpentoxid, arsenige Säure, Arsensäure und ihre Salze (Arsenlungenkrebs)
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1310
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Haloether, insb. Bischlormethylether (BCME-Lungenkrebs)
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1311
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Dichlordiethylsulfid: Lost, Senfgas (Lost-Lungenkrebs)
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2402
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Ionisierend strahlende Stoffe: Radon, Radonfolgeprodukte, Uran (Schneeberger-Lungenkrebs, Wismut-Bergbau)
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4101
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Quarzstaub (Schwielenkrebs bei Silikose)
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4104
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Asbestarten: Chrysotil, Krokydolith, Amosit, Antophyllit, Aktinolith, Tremolit (Asbestlungenkrebs)
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4109
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Nickelmetall, Nickelsulfid und sulfidische Erze, Nickeloxid, Nickelkarbonat (Nickellungenkrebs)
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4110
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PAH (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) in Kokereirohgasen: insb. Benzo(a)pyren, Dibenzanthrazen, Benzofluoranthen, Indenopyren, Chrysen (PAH-Lungenkrebs)
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4112
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Quarzstaub
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Umweltbedingte Kanzerogene: Radon in Wohnungen, Passivrauchen, Industrie- und Verkehrsabgase
2. Andere Risikofaktoren: Lungennarben ("Narbenkarzinom" und "Kavernenkarzinom")
3. Genetische Disposition: 2-3fach erhöhtes Risiko für Personen, bei denen ein Elternteil an Bronchialkarzinom erkrankt ist.
Pg.: Mehrstufenkonzept bei Lungenkrebsentstehung:
1. Exposition gegenüber karzinogenen Stoffen (Latenzzeit ca. 30 Jahre)
2. Genetische Schäden durch Karzinogene (Latenzzeit ca. 30 Jahre)
3. Epitheldysplasie ž Carcinoma in situ
Pat:
Makroskopische Formen nach Lage und Ausbreitung:
1. Zentrales (hilusnahes) Bronchialkarzinom (70 %), meist kleinzellige oder Plattenepithelkarzinome
2. Peripheres Bronchialkarzinom (25 %), tritt oft als Rundherd röntgenologisch in Erscheinung.
Sonderform: Pancoast-Tumor, der von der Pleurakuppel auf die Thoraxwand übergreift.
3. Diffus wachsendes Bronchialkarzinom (3 %), z.B. Alveolarzellkarzinom (klinisch: "Krebspneumonie")
Hi.: Da bei jedem dritten Tumor verschiedene histologische Anteile in demselben Tumor kombiniert sein können, findet man unterschiedliche Prozentzahlen in der Literatur. Der Anteil kleinzelliger BC nimmer immer mehr ab. Außerdem werden mehr periphere Karzinome beobachtet.
1. Kleinzelliges Bronchialkarzinom = SCLC = "small cell lung cancer" (15 % d.F.):
Vorwiegend zentral lokalisiert, schlechteste Prognose, in 80 % bei Diagnosestellung bereits metastasiert. Tumorverdopplungszeit nur ca. 50 Tage (= Problem der Frühdiagnostik !). Zellen sehen oft wie Haferkörner aus ("oat cell carcinoma") und können Hormone sezernieren (z.B. ACTH, Calcitonin u.a.) (d.f.) paraneoplastische Endokrinopathien
2. Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom = NSCLC = "non-small cell lung cancer" (85 %)
- Plattenepithelkarzinom (ca. 40 %), vorwiegend zentral lokalisiert; Tumorverdopplungszeit ca. 300 Tage
- Adenokarzinom (ca. 35 %), oft peripher lokalisiert - häufigste Krebsform bei Nichtrauchern; Tumorverdopplungszeit ca. 180 Tage. 40 % aller Narbenkarzinome sind Adenokarzinome.
Seltene Sonderform: Alveolarzellkarzinom = bronchioloalveoläres Adenokarzinom
- Großzelliges Bronchialkarzinom (ca. 10 %)
Grade der Differenzierung:
G 1 (gut), G 2 (mäßig), G 3 (schlecht differenziert), G 4 (undifferenziert)
Metastasierung:
Regionärer Lymphknotenbefall: tritt frühzeitig in Erscheinung (s.u.)
Hämatogene Fernmetastasen sind beim kleinzelligen Karzinom häufig schon bei Diagnosestellung vorhanden.
4 häufige Lokalisationen: Leber - Gehirn - Nebennieren - Skelett (insbes. Wirbelsäule)
Stadieneinteilung:
TNM-Klassifikation (1998)
Primärtumor (T):
Tx: Primärtumor kann nicht beurteilt werden oder Nachweis von malignen Zellen im Sputum oder bei Bronchialspülungen jedoch Tumor weder radiologisch noch bronchoskopisch sichtbar.
TIS: Carcinoma in situ
T1: Tumor 3 cm oder weniger in größter Ausdehnung, umgeben von Lungengewebe oder viszeraler Pleura, kein bronchoskopischer Nachweis einer Infiltration proximal eines Lappenbronchus (Hauptbronchus frei)
T2: Tumor mit einem der folgenden Kennzeichen hinsichtlich Größe oder Ausdehnung:
- Tumor mit mehr als 3 cm in größter Ausdehnung
- Tumor mit Befall des Hauptbronchus, 2 cm oder weiter distal der Karina
- Tumor infiltriert viszerale Pleura
- Assoziierte Atelektase oder obstruktive Entzündung bis zum Hilus, aber nicht der ganzen Lunge
T3: Tumor jeder Größe mit direkter Infiltration einer der folgenden Strukturen:
Brustwand (einschl. Tumoren des Sulcus superior), Zwerchfell, mediastinale Pleura, Perikard oder Tumor im Hauptbronchus weniger als 2 cm distal der Karina, aber Karina selbst nicht befallen oder Tumor mit Atelektase oder obstruktiver Entzündung der ganzen Lunge
T4: Tumor jeder Größe mit Infiltration einer der folgenden Strukturen:
Mediastinum, Herz, große Gefäße, Trachea, Ösophagus, Wirbelkörper, Karina oder Tumor mit malignem Pleuraerguss oder mit Metastasen im ipsilateralen Tumorlappen der Lunge
Regionäre Lymphknoten (N):
NX: Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden.
N0: Keine regionären Lymphknotenmetastasen
N1: Metastasen in ipsilateralen peribronchialen Lymphknoten u./o. in ipsilateralen Hiluslymphknoten
N2: Metastasen in ipsilateralen mediastinalen u./o. subkarinalen Lymphknoten
N3: Metastasen in kontralateralen mediastinalen Hilus-, ipsi- oder kontralateralen Skalenus u./o. supraklavikuläre Lymphknoten
Fernmetastasen (M):
MX: Das Vorliegen von Fernmetastasen kann nicht beurteilt werden.
M0: Keine Fernmetastasen
M1: Fernmetastasen (Metastasen in der ipsilateralen Lunge, jedoch nicht im primär befallenen Lungenlappen, werden ebenfalls als M1 klassifiziert.)
Stadiengruppierung (wichtig für Therapie und Prognose):

Da das kleinzellige Bronchialkarzinom zum Zeitpunkt der Diagnose meist schon metastasiert ist, kann auch folgende Einteilung benutzt werden:
Very limited disease (Stadium I):
T1 oder T2 ohne ipsilaterale hiläre LK-Metastasen
Limited disease (Stadium I bis III nach TNM):
Befall eines Hemithorax mit oder ohne
- ipsilaterale hiläre LK-Metastasen
- ipsi- oder kontralaterale mediastinale LK-Metastasen
- Skalenus- oder supraklavikuläre LK-Metastasen
- Pleuraerguss (auch bei positiver Zytologie!)
Extensive disease (Stadium IV nach TNM) (70 %):
Jede Ausbreitung, die mehr als limited disease darstellt.
KL.:
Im Frühstadium gibt es keine typischen Symptome. Die Erkrankung wird in der Mehrzahl der Fälle spät (zu spät) diagnostiziert. Husten, Dyspnoe und Thoraxschmerz sind unspezifische Symptome, Hämoptyse ist oft ein Spätsymptom.
Merke: Asthma und Bronchitis mit kurzer Anamnese, rezidivierende Pneumonien und sog. therapieresistente Erkältungskrankheiten sind im Alter > 40 J. immer auch karzinomverdächtig!
Rekurrensparese, Phrenikuslähmung, Pleuraexsudat (bes. wenn blutig), Einflussstauung sind beim Bronchialkarzinom Spätsymptome und meist Zeichen der Inoperabilität, ebenso das
Pancoast-Syndrom [C34.1]:
Peripheres Bronchialkarzinom der Lungenspitze, das Pleurakuppe und Thoraxwand arrodiert und dabei Halssympathikus und zervikale Nervenwurzeln schädigt:
- Knochendestruktion der 1. Rippe und des 1. BWK
- Plexusneuralgie (Armschmerzen), Interkostalneuralgie
- Horner' Symptomenkomplex (Miosis, Ptosis, scheinbarer Enophthalmus)
- Armschwellung (Lymph- und Venenstauung)
Bronchioloalveoläres Adenokarzinom (selten)
- Rö.: Vortäuschung einer chronischen Pneumonie
- Reizhusten mit schleimig-wässrigem Auswurf
- Meist inoperabel, weil diffus lokalisiert
Paraneoplastische Syndrome (bes. beim kleinzelligen Karzinom, welches sich vermutlich von Zellen des APUD-Systems herleitet):
- Paraneoplastische Endokrinopathien: z.B.
× Cushing-Syndrom durch ektope ACTH-Produktion (häufigste paraneoplastische Erkrankung)
× Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH)
× Tumorhyperkalzämie durch ektope Produktion parathormonverwandter Peptide (PTHrP)
- Paraneoplastische Neuropathien und Myopathien: z.B.
× Lambert-Eaton-Syndrom mit myasthenieartiger Schwäche der proximalen Extremitätenmuskulatur (erschwertes Treppensteigen) und ev. Doppelbilder/Ptosis; Labor: Ak gegen VGCC (voltage-gated calcium channel). Th.: der Grundkrankheit, ev. Prednisolon, ev. Immunglobuline i.v.
× Nachweis von Anti-Hu-Ak (15 %) mit oder ohne neurologische Störungen
× Polymyositis und Dermatomyositis
- Thrombozytose (1/3 d. Pat.) und Thromboseneigung !
- Selten hypertrophe pulmonale Osteoarthropathie (Pierre-Marie-Bamberger-Syndrom) mit Trommelschlegelfinger, Uhrglasnägel, Gelenkschmerzen in Knöcheln, Knien, Händen. Meist ist dieses Syndrom jedoch Folge einer chronischen Hypoxie.
Erstmanifestation eines Bronchialkarzinoms durch seine Metastasen bei vorerst unbekanntem Primärtumor: Cancer of unknown primary site = CUP-Syndrom
(z.b. zufälliges Entdecken von Halslymphknoten- oder Lebermetastasen). Auch durch aufwändige Tumorsuche wird der Primärtumor zu Lebzeiten in 80 % d.F. nicht gefunden. Auch autoptisch findet man in 20 % d.F. keinen Primärtumor.
Rö./ Es gibt keine Art von Transparenzminderung/Verschattung, hinter der sich nicht auch ein Bron-
CT: chialkarzinom verbergen kann.

Erscheinungsbilder des Tumors:
A) Obstruktionsemphysem
B) Atelektase mit Abszedierung
C) Atelektase mit Bronchiektasen
D) Zentrales Bronchialkarzinom, ev. mit
poststenotischer Pneumonie
E) Solitärer Rundherd
F) Rundherd mit Einschmelzung
G) Ringschatten
H) Nekrotischer Rundherd mit Einbruch in
Pleurahöhle
I) Nekrotischer Rundherd mit Durchbruch in
einen Bronchus und sekundärer Infektion
DD: eines isolierten Lungenrundherdes: [R91]
- Maligne: Bronchialkarzinom(40 %)
Isolierte Metastase (10 %)
- Benigne: Tuberkulom (25 %)
Chondrom, Neurinom, Fibrom, andere seltene Ursachen
Bei einem Lungenrundherd sind folgende Faktoren besonders karzinomverdächtig:
- Raucheranamnese
- Alter > 40 J.
- Fehlende Verkalkung
- Spiculae, die vom Rundherd ins Lungenparenchym strahlen.
- Größenzunahme im Vergleich zu älteren Vergleichsaufnahmen
Merke: Ein Rundherd bei Patienten > 40 J. ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Karzinom! (Möglichst alte Vergleichsbilder heranziehen.) Die Diagnose sollte ohne Zeitverlust geklärt werden (videogestützte Thorakoskopie, Thorakotomie).
Lab:
Tumormarker haben beim Bronchialkarzinom keine wesentliche Bedeutung (weder in der Diagnostik noch in der Nachsorge)
DD: Husten, Brustschmerzen anderer Genese
Merke: Im Alter > 40 J. bei Rauchern immer an Bronchialkarzinom denken! Jeder Husten (neu aufgetretener Husten oder Veränderungen des Hustencharakters), der trotz Therapie länger als 4 Wochen andauert, muss definitiv abgeklärt werden!
Di.: 1. Lokalisationsdiagnostik:
Röntgen-Thoraxaufnahme in 2 Ebenen
CT, HRCT, Spiral-CT mit 3D-Bildern und virtueller Bronchoskopie (kein Ersatz für Bronchoskopie)
PET-CT: Empfindlichste Methode zum Aufspüren eines ev. bislang unbekannten Primärtumors (CUP = Carcinoma of unknown primary [C80])
EBUS = endobronchialer Ultraschall
2. Bioptisch-histologische Diagnose durch:
Bronchoskopie, ev. Autofluoreszenz-Bronchoskopie
Die bronchoskopische Identifikation kanzeröser Gewebeveränderungen kann durch Autofluoreszenz-Bronchoskopie verbessert werden (LIFE = Lung Imaging Fluorescence Endoscopy)
Endosonografisch gesteuerte Feinnadelbiopsie mediastinaler Lymphknoten
Videoassistierte Thorakoskopie und Mediastinoskopie
Diagnostische Probethorakotomie (bei suspekten Befunden)
3. Diagnostik zum Ausschluss von Fernmetastasen (z.B. Sonografie der Leber, CT des Gehirns, Knochenszintigrafie, PET, Knochenmarkpunktion u.a.)
4. Präoperative Lungenfunktionsdiagnostik: Diese soll vor eingreifenden diagnostischen Schritten stehen, denn bei schlechter Lungenfunktion verbietet sich von vornherein eine Lungenteilresektion! Bei forcierter Einsekundenkapazität (FEV1) > 2,0 l ist das postoperative Risiko für pulmonale Komplikationen relativ klein, bei Werten darunter steigt es steil an (d.f.) Spiroergometrie: Spezifische Sauerstoffaufnahme sollte > 25 ml/Min/kg liegen.
5. Engmaschige Vorsorgeuntersuchungen von Risikogruppen (z.B. Asbestexponierte, ehemalige Arbeiter des Uranbergbaus): Sputumzytologie mit DNA-Zytometrie (sicherer Nachweis von Tumorzellen) Low dose Spiral-CT (Tumornachweis ab 2 mm (D))
Th.: 1. SCLC (15 %): Primär Radio-/Chemotherapie (= bimodal)
Da das kleinzellige Bronchialkarzinom zum Zeitpunkt der Diagnose meist schon disseminiert ist, muss primär systemisch therapiert werden.
- Die Operation ist keine Standardbehandlungsmethode.
- Aufgrund nicht-randomisierter Studien kann im Stadium I (eventuell II) eine Operation erwogen werden. Neoadjuvante Chemo-/Radiotherapie kann den Tumor präoperativ verkleinern.
A) Limited disease (30 %):
• Resektion mit kurativer Zielsetzung + bimodale Therapie: Polychemotherapie und Radiatio (bis T2N0M0)
• Polychemotherapie: PE-Schema (Cisplatin + Etoposid) 4 - 6 Zyklen alle 3 Wochen (hohe Remissionsraten, geringe Dauer)
• Radiatio: Mediastinum, 40 Gy, hyperfraktioniert, simultan im 1. Chemotherapiezyklus
• Prophylaktische Schädelbestrahlung nach Erreichen der Vollremission
B) Extensive disease (70 %): Therapieansatz palliativ und unimodal
• Polychemotherapie: z.B. ACO- oder CEV- oder PE-Schema (ACO = Adriamycin/Cyclophosphamid/Vincristin, CEV = Carboplatin/Etoposid/Vincristin, PE = Cisplatin/Etoposid)
• Radiatio nur bei Hirn- und Skelettmetastasen sowie oberer Einflussstauung (palliativ)
2. NSCLC (85 %): Primär Chirurgie
A) Stad. IA - IIB, d.h. bis T3N0/T2N1 (25 %):
• Kurativ: Resektion Primärtumor (Lobektomie, ev. Bilobektomie, mediastinale Lymphadenektomie)
• Bei Inoperabilität/Ablehnung OP: Radiatio, hochdosiert, 60 - 70 Gy
• In Studien: Adjuvante/neoadjuvante Chemotherapie
B) Stad. IIIA-IIIB, d.h. bis T4N3 (25 %):
• Keine primäre Op.-Indikation
• Standard: Sequenz aus Chemo- und Radiotherapie
• In Studien: Multimodale Therapiekonzepte; Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI): Erlotinib (Tarceva®)
C) Stad. IV, d.h. ab M1 (50 %):
• Chemotherapie vs. best supportive care bringt nur 7 Wochen Lebensverlängerung
3. Besonderheiten:
• Neoadjuvante Therapie: Kombinierte Chemo-/Radiotherapie präoperativ zum „Down-Staging“, um doch noch Operabilität zu erreichen (im Rahmen von Studien bei NSCLC)
• Radiatio: Megavolttechnik, Tumorvernichtungsdosis 50 - 60 Gy. NW: Ösophagitis (häufig), Pneumonitis (> 40 Gy), Lungenfibrose (5 %), Myo-/Perikarditis und Myelitis (rel. selten, Latenz von 1 J.)
Reduktion der Strahlendosis bei Verwendung von Adriamycin und Bleomycin!
• Palliative Therapie: Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema, Bisphosphonate bei Knochenmetastasen, Chemotherapie (z.B. Gemcitabine), Radiatio (extern und ev. endoluminal mit 192Iridium), bronchoskopische Verfahren (Stent, Lasertherapie ev. nach photodynamischer Therapie), transpulmonale Chemoembolisation (TPCE)
• Nachsorge: Röntgen-Thorax, CT Thorax
Prg:
Schlecht; die 5-Jahresüberlebensrate aller Patienten beträgt nur 5 %.
Fast 2/3 aller Fälle sind bereits bei der Aufnahme in die Klinik inoperabel!
Von dem restlichen Drittel erweist sich ein Teil intraoperativ als inoperabel.
Daher steht und fällt die Prognose des Bronchialkarzinoms mit der Frühdiagnose.
Prognostische Faktoren:
1. Histologischer Typ
2. Tumorstadium (Ausbreitung)
3. Allgemeinzustand des Patienten, Alter und Geschlecht (Frauen zeigen höhere 5-Jahresüberlebensquoten)
4. Immunologisches Verhalten (niedrige Lymphozytenzahl und negative Hautteste vom verzögerten Typ (d.f.) schlechte Prognose)
NSCLC: 5-Jahresüberlebensquoten:
T1,N0,M0: » 60 % - T2,N0,M0: » 40 % - T1/T2,N1,M0: » 20 %
SCLC: Die Chemotherapie führt beim kleinzelligen Bronchialkarzinom im Stadium limited disease zu hohen Remissionsraten, die jedoch häufig nur von begrenzter Dauer sind. In Kombination mit einer Strahlentherapie werden 5 - 10 % definitive Heilungen beobachtet (ein solches Therapieregime ist allerdings rel. toxisch !).
Pro:
Verzicht auf Rauchen, Raucherentwöhnungsprogramme anbieten! Nach Abstinenz sinkt das Krebsrisiko langsam und nähert sich nach 15 Jahren dem Risiko eines Nichtrauchers. Verzicht auf krebserzeugende Arbeitsstoffe, Arbeitsschutzmaßnahmen bei unvermeidbarem Umgang mit Karzinogenen! Langfristige Einnahme von ASS scheint bei Frauen das Lungenkrebsrisiko zu senken.
Merke: Würden alle Menschen auf Rauchen verzichten, gäbe es 1/3 weniger Krebserkrankungen auf der Welt und 5 Mio. weniger Tote pro Jahr! Was dies an Leiden und Kosten ersparen würde, kann man sich gar nicht vorstellen! Mit dem Rückgang des Zigarettenkonsums in den USA sinkt dort auch die Inzidenz des Lungenkrebses!